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Mark






Invisible Philosophy
Baltensperger+Siepert
25.2 - 25.3.2017



Kuratiert von Irene Grillo







Baltensperger + Siepert arbeiten seit 2007 an gemeinsamen Fragestellungen. In ihrer Arbeit untersuchen Stefan Baltensperger (*1976 , CH) und David Siepert (*1983, D) gesellschaftliche, soziale und politische Themenfelder. Sie erzeugen neue Perspektiven, um über bestehende Sichtweisen und Zusammenhänge nachzudenken und diese neu zu verhandeln. Ihre Werke sind meist prozesshaft und stehen in kontinuierlichem Dialog untereinander und mit den Betrachtenden.

In ihrer neuen Werkgruppe Invisible Philosophy untersuchen Baltensperger + Siepert ein essentielles Thema unserer Zeit. Wie wirkt sich die Zuordnung zu einer Berufsgattung auf die gesellschaftliche Wahrnehmung eines Menschen aus? Wie verändert sich unser Gesellschaftsbegriff und wen ermächtigen wir in aktuellen Diskursen das Wort zu ergreifen?

Für Invisible Philosophy sind Baltensperger + Siepert für einen Monat in die chinesische Metropole Peking gereist. Jeden Morgen gingen sie auf Tagelöhnermärkte, um dort jeweils einen Arbeiter oder eine Arbeiterin zu  finden, der oder die bereit war, sich auf das Experiment einzulassen, einen Arbeitstag als Philosoph zu arbeiten. Baltensperger + Sieperts temporäres Peking Atelier wurde zum Denkraum, zu einem Ort an dem die Logik der Zuordnung, der Funktion eines Menschen nach dessen ökonomischer Tätigkeit ausser Kraft gesetzt wurde. Entstanden sind Zeugnisse von tief reichender Ehrlichkeit, die sich als Buch, sowie in den Räumen der BINZ39 mittels verschiedener Medien entfalten.

Das Buch Invisible Philosophy besteht aus 15 dieser philosophischen Texte. Die Autoren geleiten uns in ihre Welt, überraschen, hinterfragen Vorurteile und stellen essentielle Fragen an das Leben. Begleitet werden die Werke von Essays, die nicht nur das Thema der globalen Arbeits- und Zuordnungslogik reflektieren, sondern uns auch Einsichten in eine uns gar nicht so fremde Kultur gewähren.

Basierend auf Fragmenten aus den Texten der Tagelöhner und Tagelöhnerinnen arrangierten Baltensperger + Siepert ein fiktives Gespräch zwischen drei Charakteren. In der 3-Kanal Videoinstallation (Some Logic Behind) verweben sich Text- und Tonfragmente, nehmen Bezug aufeinander und stehen doch plötzlich wieder für sich alleine.

Gedanken sind eingebettet in Geschichten und teilweise gibt es Erkenntnismomente, in denen ein Fragment über alle andere hinaus zu gehen vermag. Für die Serie Invisible Philosophy, Paper Scarvings wählten Baltensperger + Siepert einzelne Sätze aus den Originaltexten der Tagelöhner und Tagelöhnerinnen und liessen diese in Papier gravieren. Eingraviert manifestiert sich der Gedanke als nachhallende Existenz.

Die Aussicht von Baltesperger + Sieperts Atelier in Peking war versperrt durch die Rückseite einer grossen Werbetafel. Die nach aussen hin makellose Werbefläche wurde durch ein chaotisch zusammen geschweisstes Gerüst aus Stahlstangen von hinten gestützt. Dieses per Zufall zusammen gesetzte Gerüst mit seiner organischen Logik, entwickelte sich zu einem Sinnbild für die Untersuchung des Künstlerduos, in der Teile gängiger Strukturen ausser kraft gesetzt wurden.

Am Boden liegt eine Neon Schrift mit dem Zitat Society Is Too Realistic. Auch hier täuscht uns die starke Erscheinung über das fragile Material hinweg. Wie bei den meisten Werken von Baltensperger + Siepert überschneiden sich die Bedeutungsebenen. Das einfache, mechanische Ein- und Ausschalten des Neons wird zur Metapher der komplexen Machtsysteme und der Durchsetzungsmechanismen von Meinungen. Erneut stellten hier die Künstler die Frage: Wer kann das Wort ergreifen und wessen Gedanken und Visionen finden Einfluss in unserer Gesellschaft?

Das Buch "Invisible Philosophy" wurde mit der grosszügigen Unterstützung von Kanton Zürich Fachstelle Kultur und von der Boller-Wu Foundation realisiert.

Mark