The Parasite’s Delights



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Stipendienausstellung der !Mediengruppe Bitnik:

  • 30. Januar – 28. Februar 2009
  • Eröffnung Donnerstag 29. Januar ab 17 Uhr
  • Öffnungszeiten Do-Sa, 14 – 18 Uhr

Die !Mediengruppe Bitnik nimmt nach zwei Jahren Atelierstipendium der BINZ39 die kommende Ausstellung zum Anlass, eine so genannte Retrospektive der in den letzten beiden Jahren entstandenen Arbeiten zu präsentieren. Gerade bei ihrer performativen Arbeitsweise (sie arbeiten oft mit dem Format des Workshops und der Aktion) stellt dies eine Herausforderung dar und wird trotz dem eher klassischen Gedanken von Ausstellung einen eher provisorischen und experimentellen Charakter bewahren. In einer nächsten Ausstellung könnten somit die gleichen Arbeiten wiederum eine andere Form annehmen oder ausschließlich in der Form der Aktion existieren.

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Die !Mediengruppe Bitnik arbeitet in der Produktion von künstlerischen Projekten an der Schnittstelle von Medien und Gesellschaft. Dabei steht die kulturelleAuseinandersetzung mit digitalen und analogen Medien im Mittelpunkt. Inhaltlich greift die Künstlergruppe aktuelle gesellschaftliche Themen auf wie Sicherheit/Überwachung, offenes Wissen oder Information als Ware. Das forschende Arbeiten mit Medien- und Kommunikationstechnologien setzen sie in Installationen, Interventionen und der Entwicklung von Schnittstellen um: Es entstehen soziale Handlungsräume, die eine aktive Beteiligung des Publikums am Kunstprozess ermöglichen.

Die !Mediengruppe Bitnik sind Carmen Weisskopf, Domagoj Smoljo, Silvan Leuthold, seit 2007 Sven König und Daniel Ryser und seit 2008 Adnan Hadzi und Sameer Sait. Dabei ist nicht jedes Mitglied gleichermaßen an den jeweiligen Projekten beteiligt, sondern formiert sich je nach Themenbereich und Interesse die Zusammensetzung der Gruppe ständig.

Bevor die einzelnen Arbeiten vorgestellt werden, soll ein wichtiges Element ihrer künstlerischen Arbeit kurz vorgestellt werden: das Hacking. Sie lösen den Begriff “Hacking” aus dem ursprünglichen Umfeld, der digitalen Kultur, heraus, und zeigen ihn als vielfältige künstlerische Produktionsstrategie, die für eine Praxis der Umnutzens, Neuausrichtens und der Kritik steht. Luther Blisset beschreibt das in seinem Text zur !Mediengruppe Bitnik folgendermaßen: „In ihren Arbeiten fordert die !Mediengruppe Bitnik bestehende semiotische Regimes heraus und reproduziert und manipuliert sie in einer Weise, die es dem Betrachter erlaubt, das betreffende System neu zu sehen und im besten Fall sogar mit ihm zu interagieren, in das System einzugreifen. Hacking im Sinne der Arbeiten der !Mediengruppe Bitnik bedeutet einen kreativen Eingriff in ein bestehendes System, um es für einen anderen als den vorgesehenen Zweck zu öffnen. Dem System werden dadurch neue Funktionsweisen eingeschrieben, die zwar meist verborgen, implizit aber bereits im System angelegt sind. Dabei wird nach Fehlern, Schwachpunkten, Lücken oder Löchern gesucht, an denen der Hack, der Eingriff, ansetzen kann, um die gewünschte Funktion, das gewünschte Ziel zu erreichen.”

The Ballad of Jack and Rose movie download

Zu sehen werden die folgenden vier Arbeiten aus den letzten beiden Jahren: CCTV: A Trail of Images. Die unsichtbare Stadt – Tools für Sousveillance aus 2009, Our Man in India aus 2008, Download Finished aus 2007 und Opera Calling aus 2007.

Seit Sommer 2008 hat die !Mediengruppe Bitnik in Zürich, London, Sao Paulo und Rotterdam Walks zu den Schauplätzen der unsichtbaren Stadt durchgeführt. Mit selbstge-bauten Video-Signalempfängern und Aufnahmegeräten ausgerüstet veranstalteten sie Streifzüge auf der Suche nach verborgenen Videoüberwachungssignalen im öffentlichen und halböffentlichen Raum. Aus Surveillance wird so Sousveillance: Die selbstgebauten Tools verschaffen einen Zugang zur “Überwachung von oben”, indem sie die vorgefundenen Über-wachungskamerabilder abgreifen und festhalten. Das Videoprotokoll zeigt Datenräume und Innenansichten der Stadt Zürich, die sonst unsichtbar bleiben, verborgene Bildwelten zwischen Innen und Außen.

Für eine Einzelausstellung im [plug.in] in Basel hat die !Mediengruppe Bitnik im letzten Jahr das Projekt Our Man in India entwickelt. In diesem Projekt stellt sich die Künstlergruppe dem interessanten Problem der Beschaffenheit von Arbeit und Kommunikation unter den Bedingungen globaler Arbeitsteilung, von Oursourcing und Telepräsenz. Das Angebot des kommerziellen Outtasking eröffnet die Möglichkeit, temporär in Bangalore, Indien, ein neues Mitglied für die !Mediengruppe Bitnik zu akquirieren. Gemeinsam mit dem neuen Gruppenmitglied galt es, die qualitativen Eigenschaften von Arbeit zu hinterfragen: Im gängigen System des Outsourcing werden vornehmlich repetitive Arbeiten an den Outsourcing-Partner abgegeben. Die konzeptuelle, planende Arbeit aber bleibt gewöhnlich weiterhin beim Auftraggeber. Die Künstlergruppe beauftragte den indischen Partner, auf Stellenangebote aus Europa anstatt mit einer Bewerbung mit einer persönlich begründeten Absage zu antworten, die Angebote also als persönliche Aufforderung misszuverstehen. Die !Mediengruppe Bitnik gebrauchte dieses System so, wie es nicht gedacht ist, forderte dieses dadurch heraus und machte Mechanismen globaler Arbeitsteilung erfahrbar.
 In der Ausstellung war der Schreibvorgang des outgesourcten Gruppenmitglieds in Echtzeit zu sehen (sich aufbauender Text am Bildschirm als Spiegelung des Dokumentes auf seinem Bildschirm). Der Teleworker blieb unsichtbar, sein Tun wurde aber als Arbeit im Entstehen im Ausstellungsraum erfahrbar. Im Verlauf der Ausstellung wurde die Korrespondenz laufend ausgedruckt und somit war als gesamter geleisteter Outsourcing-Auftrag ebenso wie als Teil der künstlerischen Arbeit sichtbar.

Download Finished transformiert im Internet gefundene Filmkopien in neue Originale. Für diese Transformation macht sich diese Arbeit eine sehr spezifische Eigenschaft von online Filmen zunutze: Bevor Filme in online Filesharing-Netzwerken zum Tausch angeboten werden, durchlaufen sie eine Reihe von Umformungsprozessen – ihre Filestruktur wird zum Zwecke der Komprimierung vollständig umgeschrieben. Download Finished macht sich diese neue File-struktur für die Transformation der Bildebene zu Nutze: Was sonst als Komprimierungsfehler auftritt, wird in den neuen Originalen zur ganz eigenen Ästhetik und zeigt die digitale, die computerhafte Natur der Inputdaten. Das Projekt stellt Fragen nach Original und Kopie in einem digitalen Umfeld und setzt sich mit der kulturellen Praxis Filesharing (und den Brüchen und Lücken, die diese Praxis im System Copyright sichtbar macht) auseinander.

Opera Calling heißt eine Intervention, welche die Künstlergruppe anlässlich einer Ausstellung im Cabaret Voltaire auf das Opernhaus Zürich anwendete. Mit Hilfe von einfach gebauten Wanzen, die sie auf legalem Weg im Auditorium der Oper versteckten, konnten so die abendlichen Konzerte des Zürcher Opernhauses unter dem Motto “Arien für alle” per Telefon Direktübertragung in zufällig gewählte private Stuben zu Hause gebracht werden. Die Zürcherinnen und Zürcher wurden somit von einer Zentrale aus auf ihrem Telefon zu Hause angerufen. Die Öffnung des Systems Opernhaus – das aus der Presse von der Aktion erfuhr und prompt mit Klagen drohte – mit einem Hack, stellte Fragen nach den Eigentumsrechten von Kultur (www.opera-calling.com).

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Am Samstag, 14. Februar 2009 gab es in der Stiftung BINZ39 die von der !Mediengruppe Bitnik organisierte A HACK A NIGHT #11: OUR OWN PRIVATE PIRATE TV SESSION mit

Serhat Köksal (.tr), Alexander Tuchacek (.at/.ch), Raffael Dörig (.ch), Adnan Hadzi (.uk) und !Mediengruppe Bitnik (.ch)

Stiftung Binz39 – Sihlquai 133, 8005 Zürich, Schweiz

http://www.binz39.ch – http://www.bitnik.org

An evening of vicious audio, fierce visuals, elated air waves and flickering tv sets.

Found Footage, Netzvideos und Sound Samples verbinden sich in Cut-ups und Collagen zu einem audiovisuellen Performance Abend im Zeichen des Parasiten: Der istanbuler Künstler Serhat Köksal aka 2/5 BZ beleuchtet mit seiner Performance «NO Pipeline NO Exotic» kulturelle Clichés zwischen Ost und West; Alexander Tuchacek reinszeniert mit «Paradise Now – The End» einen Moment in der Popgeschichte in dem anarchischer Gestaltungswille den kybernetischen Kontrollraum in Resonanz versetzt hat; Raffael Dörig interveniert mit Videoarbeiten; Die !Mediengruppe Bitnik erklärt den Bau und Gebrauch eines Mikro-Piraten-Fernsehsenders.

Die Performances finden gleichzeitig im Raum und als MikroTV Live-Fernsehübertragung für Empfänger im Umkreis von 2km statt.

Serhat Köksal aka 2/5 BZ: NO Pipeline NO Exotic

Der Istanbuler Künstler Serhat Köksal aka 2/5 BZ arbeitet seit 1986 an seinem Multimedia Projekt 2/5BZ und integriert darin eine Vielzahl verschiedener Medienformate. Unter Verwendung von Collagen und Cut-up Techniken, Found Footage und Samples beleuchtet er in seinen Performances kritisch und humorvoll gängige kulturelle Clichés zwischen Ost und West.

http://www.2-5bz.com

http://www.myspace.com/2serhat5bz

Alexander Tuchacek: Paradise Now – The End

Ein Versuch der Reinszenierung: Am 1.3.69 rief der Sänger Jim Morrison an einem der letzten Konzerte der Doors das Publikum mit repetetiven Sprechakten zur Beteiligung auf: Chaos brach aus, die Bühne drohte einzustürzen und das Konzert wurde vorzeitig abgebrochen.

Die Performance macht sich auf die Spurensuche nach jenen Momenten, in denen geltende und bestehende Begrenzungen kurzfristig zu verschwinden scheinen, in denen anarchischer Gestaltungswille den kybernetischen Kontrollraum in Resonanz versetzt.

http://www.krcf.org/

Raffael Dörig: The Artist, the Tube (and You)

Raffael Dörig zeigt und kommentiert Filmausschnitte und Videokunst von und mit KünstlerInnen, die sich mit dem Medium Fernsehen auseinandersetzen: Künstler im Dialog über und mit dem Fernsehen, als Performance für ein Publikum im Live – Fernsehstudio und an den Empfangsgeräten zuhause.

http://www.interdisco.net

http://www.shiftfestival.ch

http://www.iplugin.net

!Mediengruppe Bitnik: Your Own Private Pirate TV Station:

Anhand verschiedener Beispiele aus der Geschichte des Fernseh-Hackings zeigt die !Mediengruppe Bitnik die Vorzüge eines eigenen kleinen Fernsehsenders.

http://www.bitnik.org

// «A Hack a Day / Night» ist eine Workshop- und Performancereihe, welche die !Mediengruppe Bitnik seit 2007 in loser Folge veranstaltet.



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Kontakt

Stiftung BINZ39
Sihlquai 133
CH – 8005 Zürich

Tel: +41 (0)44 271 18 71

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Öffnungszeiten (bei Ausstellungen):
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